Dabei sein oder nicht? Vielleicht haben Sie sich auch schon die Frage gestellt, ob auch Sie oder Ihre Kanzlei ein Facebook-Profil braucht, ob Sie eventuell twittern sollten, oder einen eigenen Blog schreiben. Ob Social Media für Sie etwas ist, hängt ganz von Ihrer Mandantschaft ab, die Sie als Zielgruppe definiert haben.
Von Henning Zander im Auftrag der AG Kanzleimanagement

Diese Fragen sollten Sie sich nach der Lektüre des Textes beantworten:

  • Haben Sie eine klare Vorstellung von Ihrer Zielgruppe? Nutzt Ihre Mandantschaft Social Media? Auf welchen Plattformen können Ihre Mandanten erreicht werden?
  • Haben Sie die zeitlichen Ressourcen, Ihren Social-Media-Auftritt regelmäßig zu pflegen?
  • Begreifen Sie Social Media als Teil Ihres Marketingmixes? Kann Social Media Ihr bereits vorhandenes Marketing sinnvoll ergänzen?

Fast täglich berichtet er von „auskunftsfreudigen Terrorismus Experten“ oder „fürsorglichen Richterinnen“. Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht, erreicht mit seinem Law-Blog täglich zehntausende Leser. Als Referent für Medien wird er regelmäßig als Redner eingeladen und ist Lehrbeauftrager zu diesem Thema an der Fachhochschule Düsseldorf. Zuletzt brachte ihm sein Engagement den Grimme Online Award 2011 ein. Mit seinem Einsatz sticht er in der Anwaltschaft hervor. Dennoch steht Vetter derzeit für einen Trend.

525 Blogs zählt das Blogverzeichnis JuraBlogs.com. Der Rechtsinformatiker und Experte für Online-Marketing Ralf Zosel von e.Consult führt eine öffentliche Twitterliste mit derzeit 468 twitternden Rechtsanwälten. „In der Anwaltschaft steigt die Akzeptanz für Blogs und Social Media. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Rechtsanwälte die Angst verlieren, auf diesem Gebiet etwas verkehrt zu machen“, sagt Online-Strategie-Berater Dr. Volker Meise aus Münster. Engagierte Rechtsanwälte können mit ihrem Blog eine große Leserschaft erreichen. „Natürlich hängt dies sehr davon ab, wie etabliert sie schon im Netz sind, wie häufig sie schreiben, wie gut vernetzt sie sind, und wieweit die Inhalte etwa für Suchmaschinen optimiert sind“, sagt Dr. Volker Meise.

Auch Sie können Social Media nutzen, um sich und ihre Kanzlei bekannt zu machen und neue Mandanten zu akquirieren. Der Einstieg ist einfach: Viele Blog-Systeme sind kostenlos, ein Facebook- oder Xing-Profil schnell erstellt. Eigentlich kann es sofort losgehen. Dennoch dämpft Ilona Cosack, Inhaberin der ABC Anwaltberatung aus Mainz, die Hoffnungen. „Wer mit der Erwartungshaltung beginnt, über Social Media neue Mandanten zu generieren, wird zunächst enttäuscht werden.“ Wichtig ist die richtige Strategie. Aber auch Geduld.

Schon im wirklichen Leben macht Rechtsanwalt Carsten R. Hoenig auf sich aufmerksam. Der Hut aus Filz ist sein Markenzeichen. Auch die große „Wanne“, ein ehemaliger Polizei-Transporter, den Hoenig mit der Aufschrift „Kanzlei“ anstelle von „Polizei“ umbeschriftet hat, und der als Hingucker auf Parkplätzen in Kreuzberg steht. Doch ebenso wichtig sind für Hoenigs Marketing die sozialen Netzwerke der virtuellen Welt. Hoenig ist im Internet nicht nur mit einer Homepage vertreten, er hat zudem Profile bei Facebook, Xing und Google+. Gleichzeit nutzt er das Kurznachrichtenportal Twitter.

„Ich war schon immer Netz-affin, wie es so schön heißt“, sagt Rechtsanwalt Hoenig (siehe Porträt im Anwaltsblatt 1/2012 ). „Irgendwann passte es zum Marketingmix unserer Kanzlei.“ Hoenigs Schwerpunkte sind Strafrecht und Motorradrecht. Andere Rechtsgebiete werden nicht bedient. Als Motorradfahrer kennt er die Szene. Und das macht er in seinen Blog-Artikeln und Einträgen in den Netzwerken auch deutlich. Sie sind eine Mischung aus satirischen Blicken auf Strafrechtsthemen und persönlichen Erfahrungen. Die Mandanten sollen das Gefühl, auf einen Rechtsanwalt zu treffen, der ihre Sprache spricht.

Dabei wählt Hoenig durchaus unterschiedliche Ansprachen. Während er sich mit seinem Facebook-Auftritt vor allem an potenzielle Mandanten wendet, locker und witzig formuliert, nutzt er das Business-Netzwerk Xing dafür, Kontakte zu Kollegen aufzubauen, die kein Strafrecht anbieten und ihm Mandanten vermitteln können. Hier wählt er einen fachlicheren Ton. Persönliches bleibt außen vor. Rund ein Drittel seiner Mandanten akquiriert Hoenig über das Internet. Ein weiteres Drittel vermitteln ihm Kollegen. Allerdings sind die Grenzen fließend. Auch viele Kollegen sind zuerst im Internet auf Hoenig aufmerksam geworden.

Zentrum der Social Media-Aktivitäten von Rechtsanwalt Carsten R. Hoenig ist der Blog auf der Internetseite seiner Kanzlei. Artikel, die hier geschrieben werden, werden automatisch über Twitter und Facebook gepostet. Halbautomatisch werden die Artikel auch bei Google+ übernommen. „Bei Xing pflege ich händisch nur die Beiträge ein, die für die Zielgruppe interessant sind“, sagt Hoenig.

Schon morgens nach dem Frühstück checkt er die Nachrichtenlage und überlegt, was eventuell für den Blog interessant sein könnte. „Mein Ziel ist es, einmal am Tag einen Text rauszubringen.“  Insgesamt wendet er ungefähr eine Stunde täglich für die sozialen Netzwerke auf. Allerdings läuft inzwischen nebenbei eine Uhr. „Man kann sich schnell verlieren“, sagt Hoenig. Letztendlich sei aber alles eine Frage des Zeitmanagements.

Allein auf Social Media mag sich Hoenig aber auch nicht verlassen. Ein weiterer wichtiger Aspekt seines Marketings ist die Pflege der Mandantenbeziehung – auch in der Hoffnung, weiterempfohlen zu werden. Zum Geburtstag verschickt die Kanzlei zum Beispiel Geburtstagskarten. Und die sind immer noch handgeschrieben.

Tipps von Ilona Cosack, ABC Anwaltsberatung, zum Umgang mit Social Media: 

  • Ein wichtiges Werkzeug in den sozialen Netzwerken ist die Gründung einer Gruppe.  Diese Gruppen können entweder dazu genutzt werden, sich fachlich unter Anwälten auszutauschen. Sie können aber thematisch so gewählt sein, dass sie auch Außenstehende interessieren und so potenzielle Mandanten ansprechen.
  • Wichtig ist ein vollständiges Profil, in dem Sie sehr genau Ihre rechtlichen Spezialgebiete darstellen und ganz konkret benennen sollten, was sie bieten können. Ein guter Slogan ist hilfreich, die Leute sollen neugierig werden. Schlicht „Rechtsanwalt“ ist im Profil zu wenig.
  • Die "Über mich"-Seite ist nach einem Xing-Relaunch inzwischen sehr gut für Google auffindbar. Eine ausführliche Vorstellung in dieser Rubrik steigert also die Trefferwahrscheinlichkeit.
  • Auch wer derzeit noch nicht twittern möchte, Sie sollten sich dennoch Ihren Namen bei Twitter sichern, da auch hier – wie bei Domains – das „first come, first served-Prinzip“ gilt.

Links:

Datenschutz in der digitalisierten Kanzlei – Aktuelles, Ausblicke und Anwendungen

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