Forderungsmanagement

Rechtsanwaltskanzleien in Deutschland verlieren durchschnittlich rund 8 Prozent ihrer Honorare dadurch, dass Forderungen nicht beglichen werden. Seit einigen Jahren bieten aus diesem Grund Factoring-Unternehmen ihre Dienste für Rechtsanwälte an. Die garantieren das Honorar und übernehmen das Mahnwesen. Und natürlich kosten sie Geld. Wann lohnt sich für Sie der Service?


Diese Fragen sollten Sie sich nach der Lektüre des Textes beantworten:

  • Kann ich aus meinen Unterlagen ersehen, wie viele Forderungen unbeglichen bleiben?
  • Wie hoch ist die Summe der Forderungen, die noch nicht beglichen sind?
  • Wie alt sind diese Forderungen?
  • Könnte es für mich sinnvoll sein, den Service einer Abrechnungsstelle in Anspruch zu nehmen?

Eine Kanzlei sollte sich auf andere Dinge konzentrieren, als auf den Einzug der Forderungen gegen die eigenen Mandanten. Denn säumige Zahler sind in fast allen Kanzleien ein Problem. Manch eine Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte ist den wesentlichen Teil ihrer Zeit damit beschäftigt, Forderungen einzutreiben. Sei es von privaten Mandanten, Unternehmen oder auch von den Rechtsschutzversicherern, die immer wieder Rechnungen aus den verschiedensten Gründen um einen nicht unbeträchtlichen Teil kürzen. Nach einer Umfrage des Soldan Instituts in Köln liegen zudem die Forderungsausfälle in der Anwaltschaft bei rund acht Prozent vom Umsatz.

Eine Alternative könnten Full-Service-Factoring-Angebote sein. Sie können damit das Mahnwesen und das Eintreiben der Forderungen gegen eine Gebühr an Externe abgeben. Zugleich wird Ihnen das Honorar garantiert und innerhalb von einem Tag bis zu einer Woche auf das Konto Ihrer Kanzlei überwiesen. 

„Die Vorteile liegen in der wiedergewonnen Liquidität, im Ausschluss des Ausfallrisikos – und natürlich in der Abwicklung des Mahnwesens bis hin zur Prozessführung“, sagt Sven Ries. Der Rechtsanwalt ist Gründer und Vorstand des Factoring-Anbieters Deutsche Anwaltliche Verrechnungsstelle AG. Das Unternehmen bietet preislich gestaffelt unterschiedliche Diensleistungen  für Rechtsanwälte an. Das Grundpaket liegt bei einer Gebühr von 6,0 Prozent des Forderungswertes. Und mindestens 50.000 Euro müssen über die Verrechnungsstelle pro Jahr abgewickelt werden.

Dafür übernimmt das Unternehmen auch einen Ausfallschutz für die Forderung. Sollte der Mandant zahlungsunfähig werden, bevor er das Honorar beglichen hat, bleiben Sie als Rechtsanwalt normalerweise auf Ihren Forderungen sitzen. Wenn Sie hingegen mit dem Factoringdienst einen Ausfallschutz vereinbart haben, dann erwirbt dieser Ihre Forderungen gegenüber den Mandanten. Bei einer Insolvenz des Mandanten trägt nun der Factoringdienst das Risiko, dass nicht gezahlt wird.

Ablauf des Factoring am Beispiel Opta Data

Damit die Factoring-Anbieter nicht systematisch auf faulen Forderungen sitzen bleiben, führen sie vor der Übernahme des Mandanten eine Bonitätsprüfung der Mandanten durch. So handhabt es auch Opta Data, der zweite große Anbieter auf dem Markt. Hier liegt die Abrechnungspauschale bei 3,95 Prozent. Dann allerdings wird kein Ausfallschutz übernommen. Wer dies möchte, muss bis maximal 5,95 Prozent Gebühren bezahlen. Dann zahlt Opta Data innerhalb von einer Woche 90 Prozent der Forderungssumme aus. Die übrigen zehn Prozent folgen, wenn der Mandant die Forderung beglichen hat. Sie werden auch dann ausgezahlt, wenn sich herausstellt, dass der Mandant gar nicht zahlen kann.

Kosten von 6,0 oder 5,95 Prozent der Forderungssumme sind keine kleinen Werte. Unter Umständen liegen die Forderungsausfälle bei Ihrer Kanzlei deutlich darunter. Insgesamt müssen Sie auch die Kosten und Ersparnisse gut durchkalkulieren! Natürlich ist der Service nicht umsonst. Bei 100.000 Euro Kanzleiumsatz kostet der Dienst der Deutschen Anwaltlichen Verrechnungsstelle AG etwas mehr als 400 Euro im Monat, wenn der gesamte Forderungsbestand darüber abgewickelt wird. Auch dieses Geld muss erst einmal erwirtschaftet werden.

Bedenken sollten Sie, dass Sie, sollten Sie einen Factoring-Service nutzen, eventuell im Prozess des Anbieters gegen den Mandanten als Zeuge aufgerufen werden können. Schwierigkeiten kann es hierbei mit ihrer Schweigepflicht geben. Wenn Sie eigene Honoraransprüche durchsetzen wollen, sind Sie von dieser befreit, soweit dies für die Durchsetzung der Ansprüche erforderlich ist. Wenn Sie die Forderung allerdings veräußert haben, gilt dieser Passus nicht mehr. Damit Sie dennoch als Zeuge im Prozess auftreten können, benötigen Sie von Ihrem Mandanten eine Entbindung von der anwaltlichen Schweigepflicht. Diese muss sich auf Informationen beziehen, die Abrechnung und Zahlung betreffen. Diese Erklärung sollten Sie Ihrem Mandanten schon vor der Mandatierung vorlegen, zusammen mit der Einwilligung in das Factoring.

Noch einen anderen Grund kann es für ein Factoring geben. „Viele Rechtsanwälte scheuen davor zurück, mit ihren Mandanten unangenehme Gespräche über nicht bezahlte Rechnungen zu führen“, sagt Ewald Rübel, Vertriebsleiter der Opta Data Abrechnungs GmbH. Auch dieses Problem könnte man sich durch das Factoring sparen.


Beispielrechnung: Wann lohnt sich Factoring?

Abrechnungsvolumen 90.000 Euro pro Jahr/Jahreskosten

Kostenpunkt

Eigenregie

Factoring


8% Forderungsausfall

7.200 Euro

-

Vorfinanzierung bei 10% Zinsen und 180 Tagen Forderungslaufzeit

4.500 Euro


-

Mitarbeiter (4 Std. pro Woche, 18 €/Std.)

3.744 Euro


-

Portokosten (Rechnungen, Mahnungen etc.)

634 Euro

-

Telefon

200 Euro

-

Anwaltskosten (10 h, Kostensatz 150 EURO)


1500 Euro

-




Factoring-Service

(voller Ausfallschutz, 6 % Gebühr, Zahlung sofort)


5.400 Euro

Gesamt:

17.778 Euro

5.400 Euro

 

Tipps:

  • Berechnen Sie Ihren Umsatz laut Rechnungsstellung der letzten drei Jahre. Wie viel Geld haben Sie davon abgeschrieben oder nur durch Prozesse eintreiben können?
  • Liegt der Anteil über 5 %, oder gar mehr als 8 %, ist es sinnvoll, ein Factoringangebot einzuholen.
  • Definieren Sie, welche Art von Mandanten hohen Forderungsausfällen unterliegen und treten Sie diese regelmäßig ab.
  • Lassen Sie sich in der Honorarvereinbarung von der Schweigepflicht befreien, sollten Sie ein Factoring-Unternehmen einsetzen wollen

Infos:

 

 

 



Finanzen

Henning Zander
    13.01.2012   


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