Zehn Jahre AG Anwalts- und Kanzleimanagement

Kategorie: Artikel von Kollegen

Christoph H. Vaagt

Kanzleimanagement ist zum Synonym des letzten Jahrzehnts geworden: Der Markt für anwaltliche Dienstleistungen differenziert sich zunehmend, und der Treiber dafür ist die Nutzung von betriebswirtschaftlichen, soziologischen und psychologischem Wissen, welches für die Kanzleientwicklungen nutzbar gemacht werden kann.


Daher ist die Gründung der AG Anwaltsmanagement am 31. März 2000 in Hamburg, seit dem 13. Mai 2010 in AG Kanzleimanagement umbenannt, ein fälliger Schritt der Anwaltschaft gewesen. Mit dieser Gründung wurde aus dem ehemals bestehenden Ausschuss für Büroorganisation ein Forum, das allen Anwälten im DAV offen steht. Die Liberalisierung des Berufsrechts als Antwort auf die innere Differenzierung des Berufsstandes Anwaltschaft ermöglichte Veränderungen, die vorher undenkbar waren. Genannt seien nur:

  1. 1. Die Zulässigkeit von überörtlichen Kanzleizusammenschlüssen
  2. Die gerichtliche Auseinandersetzung mit beschränkendem Berufsrecht, früher auch Standesrecht genannt, insb. im Bereich Werbung
  3. Die Zulässigkeit neuer Anbieterformen (Telekanzlei, Internet-Rechtsrat, ...)
  4. Die Etablierung neuer Kanzleitypen (Stichwort Mega Lawfirm, virtuelle Kanzleien,…)
  5. Die Ausdifferenzierung der Spezialisierung (Fachanwaltschaften, …)
  6. Die Diskussion von Erfolgshonoraren
  7. Der Einsatz von Kanzleimanagement in Kanzleien ab einer bestimmten Größe
  8. Die Zulässigkeit von haftungsbeschränkten Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, …)

Die Entwicklung wird hier nicht stehen bleiben. Der Wettbewerbsdruck verlangt von den Kanzleieigentümern oder –neugründern, wettbewerbsfähige Antworten auf neue Fragen zu finden. Krisen, wie die derzeitige Finanzkrise, legen dabei schonungslos offen, wo Strukturen angepasst, Prozesse verbessert und Wirtschaftlichkeit erhöht werden muss. Die Branche hat sich als anpassungsfähig erwiesen, ja als innovativ. Denn die vielen kleinen Unternehmenseinheiten, in die der Anwaltsmarkt zerfällt, erlaubt ein ständiges „Trial and Error“ ohne zentrale Lenkung. Und so entstehen täglich neue Lösungen für alte und neue Probleme. Ohne dass dies bereits erforscht worden wäre: aber der Anwaltsmarkt ist aus unserer Beobachtung eine Innovationsbranche ohne gleichen. Allein die Lösungsansätze, die wir auf der Herbstkonferenz der AG Kanzleimanagement jedes Jahr erfahren, die sich Kollegen haben einfallen lassen, sind ein eindeutiges Indiz dafür.

Die Entwicklung führt die Anwaltschaft auch an neue Grenzen, die sie noch nicht diskutiert hat. So die Frage, ob die „neue Anwaltschaft“ nun fast grenzenlos und frei von ethischer Selbstbegrenzung tätig sein darf: ein Thema, welches in den letzten Jahren zunehmend diskutiert wurde, auch im Anwaltsblatt. Mit diesem Thema werden wir uns in den nächsten Jahren intensiver auseinandersetzen müssen, und auch, wenn die bisherige Form der Diskussion (Satzungsversammlung) noch etwas behäbig ist. Dieses Thema wird die nächsten 10 Jahre dominieren, und die Anwaltschaft wird sich zu entscheiden haben, ob sie den Weg der Unternehmensberatungen geht (die ohne Ethik arbeiten), und der Anwaltschaft, die ihre Tradition der ethischen Selbstbeschränkung im Prozess der Liberalisierung anzupassen, aber im Kern auch zu bestätigen hat.

Was kann die AG Kanzleimanagement im Rahmen des DAV leisten, wo sind Möglichkeiten, die noch nicht ausgeschöpft sind, wo Grenzen?

Wir sehen die Notwendigkeit, die Anwaltschaft in ihrer Ambivalenz zwischen selbständigem Unternehmertum und Organ der Rechtspflege weiter zu begleiten. Wir sehen den Bedarf, die Möglichkeiten für neue Lösungen zu diskutieren, wir sehen die Notwendigkeit, der Anwaltschaft neue Wege aufzuzeigen, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wir sehen die Notwendigkeit, klarer zu machen, worin eine anwaltliche Dienstleistung bestehen kann, und wo Grenzen sind. Wir sehen die Chance, mit Innovation auf bestehende Engpässe hinzuweisen. Wir sehen die Herausforderung, die ganze Anwaltschaft anzusprechen, auch wenn wir merken, dass diese in ihren unterschiedlichen Marktsegmenten mit unterschiedlichen Herausforderungen kämpft. Wir werden uns daher beschränken müssen, und zugleich unser Angebot erweitern müssen.

Die AG ist offen für Vorschläge, interessiert an Austausch, und darauf erpicht, ihren Beitrag zum Wohle der Anwaltschaft zu leisten. 


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