Kanzleinachfolge: Lebenswerk zu vergeben


Mehrere Tausend selbstständige Rechtsanwälte gehen jedes Jahr in den Ruhestand. Vielleicht stehen auch Sie gerade vor der Frage, was aus Ihrer Kanzlei werden soll, wenn Sie sich aus dem Geschäft zurückziehen.

Wollen Sie die Kanzlei aufgeben, oder wollen Sie einen Nachfolger aufbauen, der in Ihre Fußstapfen treten soll? Vielleicht sollten Sie dann schon jetzt mit den Planungen

anfangen.

Von Henning Zander im Auftrag der AG Kanzleimanagement

 

Diese Fragen sollten Sie sich nach der Lektüre des Textes beantworten:

• Wie bin ich finanziell im Alter abgesichert? Brauche ich das Geld aus dem Verkauf meiner Kanzlei?

• Welchen Kanzleiwert kann ich ansetzen?

• Wie kann ich den Kanzleiwert vor einer Übergabe noch steigern?

• Rechnet es sich für einen Kanzleiübernehmer?

 

 

Kaum läuft es richtig an, soll man schon ans Aufhören denken? Viele Rechtsanwälte, vielleicht auch Sie, schieben die Kanzleinachfolge vor sich her. Bis es womöglich zu

spät ist. Denn der richtige Zeitpunkt, mit den Planungen anzufangen, ist definiert: Es ist der 55. Geburtstag. Denn ab diesem Zeitpunkt gelten beim Verkauf steuerliche

Vorteile. Was sonst an den Fiskus abzuführen wäre, ist um fast die Hälfte gemindert. Dann aber sollte es auch schon gleich losgehen. Denn die Nachfolgersuche ist zeitintensiv.

Fünf bis zehn Jahren könne der Übergabeprozess dauern, sagt Richard Luthardt, Leiter Strategie-, Management- und betriebswirtschaftliche Beratung im Consulting der DATEV eG. So viel Zeit sollte man sich gönnen. Denn dem Kanzleiinhaber

bleibt so die Möglichkeit, eine Fehlentscheidung bei einem Übernahmekandidaten auszugleichen. Die Zeit sollte aber auch dazu genutzt werden, die Kanzlei für eine

Übernahme oder einen Verkauf attraktiv zu machen.

„Etwa indem mehr Wert auf Marketing, Kanzleiorganisation, Personalmanagement und Mandantenpflege gelegt wird“, sagt Richard Luthardt.

Der Regelfall bei der Nachfolge ist immer noch, dass die Kanzlei an den Sohn oder die Tochter übergeben wird oder zumindest an einen langjährigen Mitarbeiter oder Partner. Diese langsam gewachsenen Verhältnisse sind oft auch dem Verkauf an einen Externen überlegen. Der alte Inhaber weiß, dass sein Lebenswerk in guten Händen ist. Der Neue hingegen kennt die Kanzlei und weiß, wie Mitarbeiter und

Mandanten ticken. Dennoch sind Konflikte vorprogrammiert. Der Grund sind häufig unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Kanzlei am Markt positioniert werden

sollte. Welche Schwerpunkte gesetzt werden und welche Mandanten als Zielgruppe definiert werden. Doch das größte Problem ist: Der Vorgänger kann nicht loslassen und will immer noch Entscheidungen fällen.

 

Wert                           Bemerkung               Summe                                                         Euro

Substanzwert ·          EDV                                                                                      60.100,00

· Einrichtung etc.

Gewichteter Umsatz z.                                                                                           300.000,00                                        

Jahresumsatz z.B. gewichtet mit Faktor 0,7 wg.

· Alter des Übergebers

· Lebensalterstruktur der Mandanten

· Zeitraum des Bestehens der Kanzlei

· Allgemeinpraxis oder Spezialgebiet

· Spezialgebiet des Übergebers oder Übernehmers                                         210.000,00

Zwischensumme                                                                                                    270.100,00

 

Abzügl. Dieser Abzug kann aus der Tatsache hergeleitet werden, dass - 105.000,00

kalkulatorischen jede Art von Dienstleistung zu einem Teil personengebunden

Anwaltslohn ist und daher Abschläge rechtfertigt.

Gesamtwert 165.100,00

 

Auf der einen Seite ist es wichtig, dass der Vorgänger für Fragen bereitsteht und den Nachfolger bei den Mandanten vorstellt. Schließlich ist das ein wichtiger Kern der

Kanzleiübernahme. Leichter den Zugang zu Mandanten zu gewinnen. Auf ein eingespieltes Team von Mitarbeitern bauen zu können.

„Auf der anderen Seite darf es aber keine Missverständnisse darüber geben, wer in der Kanzlei in Zukunft das Sagen hat“, sagt Luthardt. Die Differenzen liegen nicht immer auf der Hand. Manchmal zeigen sie sich erst, wenn der Übergabeprozess schon eingeleitet ist. Im schlimmsten Fall zieht der Wunschkandidat zurück.

Dr. Martin Schürmann ist Geschäftsführer der Glawe GmbH, die Kanzleiinhabern dabei hilft, einen Käufer zu finden. Fachlich und menschlich müsse es stimmen, sagt Dr. Schürmann. Doch was sind das für Menschen, die eine Kanzlei kaufen? „Die Mehrheit der Käufer hat fünf bis zehn Jahre Berufserfahrung“, sagt Dr. Schürmann. „Viele haben als Angestellte in einer größeren Kanzlei gearbeitet, hatten aber dort keine Möglichkeit, mittel- und langfristig aufzusteigen und beispielsweise Partner zu werden.“

Vielleicht haben auch Sie überlegt, sich mit dem Verkauf Ihrer Kanzlei IhrenRuhestand zu finanzieren. Umso wichtiger ist es dann für Sie, einen guten Preis zu erzielen. Grundsätzlich rangieren die Kaufpreise für Rechtsanwaltskanzleien

zwischen einem halben und einem ganzen Jahresumsatz. Der Preis wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Wichtige Faktoren sind beispielsweise der Umsatz, die Rendite, häufig aber auch die Lage der Kanzlei. Die Rendite sollte nicht unter 30 Prozent liegen. Schließlich will man ja von den Einnahmen noch leben und muss dann auch noch den Kredit für den Kanzleikauf abbezahlen.

Anders als Unternehmen aus der Industrie gibt es bei Kanzlei & Markt 08/10 Rechtsanwaltskanzleien kaum materielle Güter, etwa Maschinen, Lager oder Immobilien zu veräußern. Wichtigstes Kapital sind selbstverständlich die Mandanten. Doch hier wird der Verkauf heikel. „Dass die Mandanten der Kanzlei treu bleiben, ist nicht selbstverständlich. Wichtig ist eine intelligente Überleitung durch den ehemaligen Inhaber“, sagt Dr. Schürmann. „Auch dann gibt es keine Garantie,

aber zumindest eine gute Chance, die Mandanten zu halten.“ [hez]

 

Tipps:

• Wollen Sie einen jungen Kollegen innerhalb der Kanzlei als Nachfolger aufbauen? Gibt es entsprechende Interessenten, die sich vorstellen könnten, einmal die

Kanzlei zu übernehmen? Wie könnten Sie diese Interessenten langsam an die Führung der Kanzlei heranführen?

• Wenn Sie dennoch einen Verkauf planen: Seien Sie bei der Beurteilung Ihrer Kanzlei realistisch! Wie gut ist die Kanzleiorganisation aufgestellt? Gibt es ein Kanzleihandbuch und ein Qualitätsmanagement? Sind Hard- und Software auf einem aktuellen Stand? Dies alles sind Faktoren, die den Preis beeinflussen.

• Beachten Sie: Mehr als ein Jahresumsatz als Kaufpreis für eine Kanzlei ist sehr ungewöhnlich.

 

Infos:

Der Anwaltsverband Baden-Württemberg hat eine Plattform für potenzielle Kanzleiverkäufer und Interessenten geschaffen. Auf der Internetseite www.av-bw.de können Anzeigen eingestellt werden. Anfragen können Sie hierfür über info@av-bw.de stellen.

 



Kanzlei

Henning Zander
    10.01.2015   


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